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Tote Tiere 6
Frosch und Kröte

Die aktuelle Serie von Bildern von Frosch- und Krötenmumien
versucht,
dem unausweichlichen Ende des Lebens, dem Tod,
so nahe wie möglich zu kommen.
Die Aufnahmen der auf natürlichem Weg mumifizierten Tierkörper
vermeiden alles beschönigende wie wir es von den üblichen
Tierpräparaten kennen. Sie verleugnen nicht den Tod und die
Zeichen des Verfalls und der Vergänglichkeit.

Gäbe es nach dem Tod keine Verwesung, wäre dem natürlichen Kreislauf
des Lebens die Basis entzogen. Und es gäbe auch keinen Traum vom
ewigen Leben und keine kulturelle Adaption dieser besonderen Form
der natürlichen Körpererhaltung - Mumifizierung genannt.

Die meisten der fotografierten Froschmumien sind Funde aus dem
trockenen kühlen Keller des Baerlaghofs in Issum. Zu vermuten ist,
dass sich die Tiere dorthin zum Überwintern verkrochen, dann aber
verhungerten.
Ihre Erhaltung im mumifizierten Zustand ist ein Zufallsprodukt, da die Tiere
in einem Milieu verendeten, das die Mumifizierung begünstigte und die
Kadaver dort ungestört und entsprechend lange verweilen konnten.
Bedingt durch die kalte Jahreszeit war auch die Zersetzung durch Fliegen-
maden weitestgehend ausgeschlossen.

Die trockene kalte Luft sorgte für einen ziemlich schnellen Wasserentzug.
Das Gewebs- und Körperwasser verdunstete und die Zersetzung organischer
Strukturen durch körpereigene Enzyme (Autolyse oder auch Selbstandauung
genannt) wurde verlangsamt.




Besonders bei Kröten und Froschmumien lässt sich gut erkennen, dass zuerst
die Oberfläche des Tierkadavers austrocknet, sich später lederartig verfestigt
und so eine erneute Wasseraufnahme verhindert.
Im Inneren eines aussen bereits trockenen Körpers kann sich je nach Intensität
und Geschwindigkeit der Trocknung die Feuchtigkeit unter Umständen
jedoch länger halten und zur weiteren Fäulnis führen. Die Erhaltung
innerer Organe ist deshalb vermutlich sehr unterschiedlich.

Körperhaltung und Ausdruck der Mumien sind bei natürlich zu Tode gekommen
Tieren weitestgehend unverändert, lediglich gekrümmte Gliedmaßen sind teilweise
auf die Trocknung der Sehnen zurückzuführen.

Natürlich versuchen all diese Fotos den `Tod an sich` ins Bild zu setzen.
Doch dieser entzieht sich einer fotografischen Erfassung und treibt das Medium
Fotografie und unser Sehen und unser Erkenntnisvermögen an ihre Grenzen.
Die Aufnahmen zeigen also etwas, was tot ist.
Das Besondere aber ist, sie bilden sozusagen auch den letzten Bruchteil einer Sekunde
eines Tierlebens ab, den letzten Moment, den letzten Wimpernschlag im zeitlichen
Übergang vom Leben zum Tod, dem vielleicht ein länger dauernder Sterbeprozess
voranging.

Dieser Exhibitionismus des radikal "Wahren" verbreitet Unbehagen und die
Vergrößerung mindestens auf Körpergröße schafft maximale Intimität,
"beunruhigende" Nähe und zudringliche Direktheit.

Erhard Scherpf, 2025/26
Danke an Christa Langemeyer vom Baerlaghof in Issum für diesen Fund.

Weiterreichende Texte dazu finden Sie unter "Exposé" und "Tote Tiere 4" oben im Menu