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BEWEGUNGSSTUDIEN

KÖRPERBILDER
     Exposé
     Körperbilder 1
     Körperbilder 2
     
Körperbilder 3
      Körperbilder 4
     
Körperbilder 5.0 + 5.1
     Körperbilder 6
     Körperbilder 7
     Körperbilder 8
     Körperbilder 9



DROMOVISIONEN


   


Körperbilder 4

Körperbilder in lebensgroßen Formaten sind dazu angelegt die Oberflächen zu durchdringen, zu öffnen, anzukratzen,
zu beschreiben. Sie zeigen das, was zwischen Ich und Welt steht. Die Haut – 1:1.
Die Gesichtslosigkeit reduziert das Individuum auf seinen Körper. Es ist sich selbst, wie dem Betrachter entfremdet.
Das nackte Fleisch ist nur noch Materie. Es ist der professionelle Blick eines Chirurgen auf sein Operationsfeld.

Die auf der Haut hinterlassenen, in sie eingefressenen Spuren zeigen die körperliche Anfälligkeit und Veränderbarkeit.
Die Haut als Begrenzung der Körperhülle wird durchlässig und als angreifbar dargestellt. Distanziert und gleichermaßen
bloßgelegt tritt jede Einzelheit hervor. Pigmentflecken, Druckstellen, Hautfalten und Ausbeulungen werden sichtbar.
Runzeln, Wulste und Wölbungen zeugen von einer Haut, die nicht den Glanz des Schönen wiedergibt. Weder durch
Krankheit noch gewaltsame Einwirkungen von außen gezeichnet, ist es die Haut, in die das Leben sich eingegraben
und eingezeichnet hat.

Die Darstellungen verweigern sich dem Diktat der ausdrucklosen, immer gleichen Schönheit und zeigen die Oberfläche
in aller Brutalität. Mit dem Kontakt der formbaren Materie Fleisch auf der festen Auflagefläche, verzerren und verschieben
sich die Konturen des Körpers und formieren sich neu. Das Glas modifiziert und enthüllt den Charakter der Haut, die Poren
öffnen sich und unter dem flexiblen Bindegewebe werden weitere Strukturen sichtbar. Weiche Hautlappen schieben sich
an – und ineinander und bilden Furchen und Falten. Sie werden zusammengequetscht, stülpen sich ein oder scheinen
ungehemmt aus der Form zu fließen. Auf die Scheibe gepresst verliert das Fleisch seine Farbe, wird bleich, mattweiß bis
grünlich und wirkt tot.

Der Exhibitionismus des radikal „Wahren“ verbreitet Unbehagen, weil wir Verfall, Vergänglichkeit und Sterblichkeit bewusst
ignorieren, verdrängen oder per Bildbearbeitung retouchieren. Die gesellschaftlichen Strategien zur Vermeidung von
Normverletzungen durch Hässlichkeit, Deformation und Unzulänglichkeit sind hochentwickelt. Werden die Regeln zur
Darstellung von Nacktheit durchbrochen, erscheint das Menschbild zwar authentisch, wird jedoch meist als schamlos und
obszön bewertet.

Die Wahl der Formate dieser Körperbilder zielt darauf ab, eine Darstellung im Abbildungsmaßstab 1:1 zu geben.
Erst durch Maximierung auf Körpergröße erlebt der Betrachter maximale Intimität, beunruhigende Nähe und
zudringliche Direktheit. Die Wiedergabe mit Bildschirmauflösung auf der Internetseite kann deshalb nicht authentisch sein
und birgt die Gefahr der Ästhetisierung,
Verniedlichung und Verharmlosung. 



Das Unbehagen am Rande der Schönheit #1



Das Unbehagen am Rande der Schönheit #2


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #3


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #4


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #5


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #6


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #7


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #8


Das Unbehagen am Rande der Schönheit #9
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